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Altstadtförderverein WächtersbachAm 12.03.2022 war ich beim "Stammtisch mit Charakterköpfen" des Altstadtfördervereins Wächtersbach zu Gast.

Unten findet Ihr die Presseerklärung des Vereins zum Gespräch mit mir.

Eure Simone Bienossek


Mittelpunkt mit Herz und Verstand

Zum Stammtisch "mit Charakterköpfen" durfte der Altstadtförderverein am 12. März 2022 Simone Bienossek begrüßen.

Besuch beim Altstadtförderverein (mit Anja Kolb)Frau Bienossek betreibt in Aufenau den Mittelpunkt-Laden, der für die kleine dörfliche Gemeinschaft ein beträchtliches Sortiment bereithält: von Lebensmitteln bis zum Kunsthandwerk.

Doch nicht nur in ihrem Laden engagiert sich Frau Bienossek für den Zusammenhalt in Aufenau. So initiierte sie zuletzt eine Adventsaktion im Ort. 24 Fenster wurden zu einem ganz Aufenau umfassenden Adventskalender geschmückt. So konnten schnell Parallelen zur Situation in der Altstadt gezogen werden, wo sich der Altstadtförderverein ebenfalls für eine Stärkung des Zusammenhalts einsetzt.

Kurz skizzierte sie ihren Werdegang: Zunächst arbeitete sie als Gärtnerin, dann als Floristin. Schließlich betrieb sie in Bad Orb ein Stickereilädchen.

Die Initialzündung, in Wächtersbach ein Lebensmittelgeschäft zu eröffnen, war die Einrichtung des Hofladens im Weidenhof, den ihre Schwester und ihr Schwager betreiben. Als für Zöller in Aufenau eine Nachfolge gesucht wurde, griff sie schließlich zu.

Die Stärke des Mittelpunkt-Ladens ist sein Konzept. Frau Bienossek ist sich sicher: "Die Kunden fühlen sich hier aufgehoben und ernst genommen." Es liege ihr, auf die Leute zuzugehen. Kurze Wege seien entscheidend.

Nicht nur alte Bekanntschaften wurden mit der Eröffnung des Ladens wiederbelebt. Stammkunden kommen mittlerweile auch aus den Nachbarstädten Bad Orb und Bad Soden-Salmünster. Manche rufen an, wenn sie losfahren und bekommen die Ware wenige Minuten später an die Ladentür geliefert, erzählte Frau Bienossek schmunzelnd.

Überhaupt das Liefergeschäft: Während der Corona-Lockdowns machte das besonders viel Arbeit.

Wie wirbt man für einen solchen Laden? Letztendlich müsse sie für den Laden und sein Konzept werben, weniger für das Sortiment. Über die sozialen Medien sei die Werbung zunächst einfacher geworden; wegen der Eigendynamik, die Diskussionen im Cyber-Raum entfalten können, aber auch schwieriger.

Wie trägt sich der Laden? Zunächst sei es schwierig, geeignetes Personal zu finden. Wer im Einzelhandel ausgebildet wurde, sei meist zu spezialisiert. Im Mittelpunkt-Laden gelte es, den ganzen Tag über den Überblick zu behalten. An nicht wenigen Tagen sei sie abends so richtig erholungsbedürftig und ihre Mitarbeiter sicher auch, versicherte Frau Bienossek ihren gebannt lauschenden und engagiert diskutierenden Zuhörern. Zwischen vier und sieben Angestellte mit mindestens 20 Wochenstunden habe sie bisher. Ein Problem, das auf sie zukomme, benannte sie klar beim Namen: Die von der neuen Bundesregierung in die Wege geleitete Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro. Für eine wesentlich angemessenere Lösung für den Niedriglohnssektor hielte sie es, wenn sie existenzsichernde Lohnbestandteile steuerfrei auszahlen dürfte - so wie zuletzt bei der Corona-Prämie. Frau Bienossek stellte auch infrage, ob nach der Anhebung des Mindestlohns noch ein angemessener Abstand zu nächsthöheren Verdienstmöglichkeiten gegeben ist. Sie versicherte, dass sie den Laden nicht zuallererst wegen der Verdienstmöglichkeiten betreibe.

Andererseits ist sie aber auch nicht völlig auf sich allein gestellt. Vielmehr gehört der Mittelpunkt-Laden zum Regio-Dorfladen-Netzwerk. Dort tauschen sich Inhaber von derzeit sieben Läden in der Region über ihre Erfahrungen aus und bilden sich gemeinsam fort - z.B. auch wie man Fördermittel erhält.

Gefragt wurde sie, warum keine Floristik erhältlich sei. Das sei zu viel Arbeitsaufwand und könne nicht einfach mit bewältigt werden, versicherte sie.

Wichtig ist ihr aber, nur nachhaltige Lebensmittel zu verkaufen. So müsse sie bisweilen Kunden erklären, warum es keinen Thunfisch gibt.

Ebenso stellte sie klar, dass der Mittelpunkt-Laden nicht als "Tante-Emma-Laden" beschrieben werden sollte, in dem die ältere Generation ohne Auto wohnortnah einkaufen kann: "Es muss klar sein: Die ältere Generation ohne Auto gibt es nicht mehr."

Es mache ihr aber einfach Spaß, Außergewöhnliches und kompetente Beratung anzubieten.